Ihre Meinungen

  

Hier sind schon einige Email veröffentlicht, bei vielen warte ich auf die Berechtigung zur Veröffentlichung, gibt mir deshalb bitte gleich mit Eurem Email auch die Berechtigung zur Veröffentlichung mit.

   

26.August 1999

sehr geehrter herr stein,

ich kann ihren unmut nur zu gut verstehen und auch nachvollziehen. auch ich habe mit meinen 35 jahren einen schweren stand auf dem arbeitsmarkt. ich bin altenpflegerin und dank der besonders beschäftigungsfreundlichen politik unseres ex-gesundheitsministers (cdu) berufsunfähig und muss mich dank meiner überqualifizierung jetzt mit beschäftigungen durchschlagen, die mit sicherheit nicht meinem bildungsniveau entsprechen.
finden sie nicht, dass jede regierung ihre makel hat und somit jeder mehr oder weniger unzufrieden ist? ich persönlich halte es für keine gute idee, auf dem weg, den sie gewählt haben, wahlkampf zu führen. da sie in keiner weise eine politische gesinnung preisgeben, ich jedenfalls kann keine finden, ist das eher stimmungsmache.
mfg      
christel schadt
saarbrücken
spd-wählerin
26.August 1999
Sehr geehrter Herr Stein,
Sie glauben doch wohl selbst nicht, dass ein CDU, die - wie in 16 Jahren Bundesregierung bewiesen - ausschließlich Unternehmerinteressen vertritt, auch nur einen Finger für Sie gerührt hätte, wenn sie das Saarland regieren würde. Im Gegenteil: Es würde innerhalb von 4 Jahren keinen Bergbau mehr geben und die hiesigen Kraftwerke wären allein schon wegen der dann entstehenden hohen Kohle-Transportkosten nicht mehr konkurrenzfähig und würden ebenfalls geschlossen werden. Statt dessen würde man dann billigen Atomstrom aus Frankreich importieren, oder eben aus anderen Überkapazitäten der RWE versorgt werden.
Sie fragen sich, wessen Interessen die SPD vertritt, und führen die folgenden Punkte auf, die ich nicht undokumentiert stehen lassen kann:
630 DM Jobs: Wollen Sie eigentlich Arbeitnehmerinteressen oder Arbeitgeberinteressen vertreten sehen? Wer Lohndumping ohne Sozial- und Rentenversicherung (=630DM Jobs) und die damit verbundene Umwandlung von festen Arbeitsplätzen in mehrere Billigjobs wie in den letzten Jahren geschehen, befürwortet, vertritt eindeutig Arbeitgeberinteressen oder ist sich über die Folgen (Altersarmut, keine soziale Absicherung) nicht im Klaren.
Benzinpreiserhöhungen, Ökosteuer: Was sind schon 6pf pro Liter im Vergleich zur letzten Preiserhöhung der Mineralölkonzerne von etwa 10pf? Darüber regt sich niemand auf. Rechnen Sie sich einmal aus, wie gering die tatsächliche Mehrbelastung durch die Ökosteuer für Sie ist (7l/100km *0,06DM, bei 1000km pro Monat sind das nur 4,20 DM im Monat). Und vergessen Sie dabei auch nicht die steuernde Wirkung, die eine solche Steuer haben soll. Oder wollen Sie in 2 Jahren immer noch in einem Oldtimer durch die Gegend fahren, der 10l pro 100km frisst?
Rentenkürzungen: von Rentenkürzungen kann keine Rede sein (die gab es nur in den letzten 3 Jahren) es geht ja nur um eine befristete, geringere Erhöhung. Da sind Sie offenbar auf die Polemik der CDU hereingefallen.
Scheinselbstständigkeit: Ein wichtiges Gesetz, dass, genau wie bei den 630DM-Jobs, die willkürliche Behandlung von Arbeitnehmern durch Arbeitgeber (Aushebelung von Kündigungsschutz, tarifl. Gehalt, Sozialstandards) verhindert.
Aufschlag aud Diesel: Sommerloch... außerdem, meine Meinung: warum soll gerade Dieselkraftstoff steuerlich bevorzugt werden?
Bedenken Sie dies, wenn Sie ihre Stimme tatsächlich der Interessenvertretung der Großindustrie geben wollen.
Mit freundlichen Grüßen
T. Haase