Schließung Kraftwerk Wehrden in Völklingen

   

Kurzfassung

 

Am 30.06.1998 wurde das Kraftwerk Wehrden in Völklingen stillgelegt. Die Anteilseigner (ein drittel VSE AG, ein drittel Stadtwerke Saarbrücken, ein drittel Saarstahl in Konkurs) haben das Kraftwerk, das in Punkto Wirtschaftlichkeit, Standortbedingung und Infrastruktur eine Spitzenposition im Saarland eingenommen hat, (weil RWE-Energie es so wollte und unter massiven Druck der SPD regierten Landesregierung) stillgelegt.

Der Stilllegungsbeschluss wurde nach den sog. Eckpunktepapier festgelegt und vollzogen. Nach diesem Eckpunktepapier war die Stillegung des Kraftwerk Wehrden Prämisse für den Bau eines neuen 500 MW Kraftwerkblockes im Kraftwerk Ensdorf. Wie sich bis heute zeigt, wird das geplante Kraftwerk in Ensdorf nie gebaut, eine definitive Zusage der RWE-Energie gab es nie. Mit dem Kraftwerk Wehrden wurde ein Kraftwerk den unternehmerischen Interessen der RWE-Energie geopfert und das mit Befürwortung der damals von Lafontaine geführten saarl. Landesregierung. Befürwortung heißt aber auch das Landesmittel, in Höhe von über 10 Millionen DM für den Bau der Konvertergasleitung zum Kraftwerk Fenne, eingesetzt worden sind, d.h. zur Vernichtung von etwa 90 Arbeitplätzen direkt (Belegschaft Kraftwerk Wehrden) und ca. 150 Arbeitsplätzen indirekt ( Zulieferer, Bergbau, Tagebau,Neuland usw..)

Initiator dieses Eckpunktepapiers, nach dem mehrere Kraftwerke (900MW Leistung) stillgelegt worden sind bzw. werden (Verlust von 1500 bis 2000 Arbeitsplätzen), war und ist der damalige Minister für Umwelt, Energie und Verkehr Prof. Willy Leonhardt. Paradox an dieser Eckpunktevereinbarung ist, das RWE-Energie daran verdient und der saarl. Steuerzahler die Lasten dieser Vereinbarung zu tragen hat.

Durch die Ersatzstromlieferungen an die Anteilseigner der Kraftwerk Wehrden GmbH verdiente RWE etwa 23,3 Millionen DM pro Jahr allein durch den Leistungspreisanteil, während der saarländische Steuerzahler die Kosten für die Konvertergasleitung von Saarstahl zum Kraftwerk Fenne (Bedingung für die Schließung Kraftwerk Wehrden) in Höhe von etwa 18 Millionen DM, zu tragen hatte ( über 10 Mill. DM direkt durch Landesmittel, Rest indirekt durch Saarberg bzw. DSK ), hier sollte wohl die Portokasse der RWE nicht belastet werden. Leidtragende dieser Vereinbarung sind die ehemaligen Mitarbeiter der Kraftwerk Wehrden GmbH, die im November 97 die betriebsbedingten Kündigungen durch den Betriebsleiter H.H. Michaelis persönlich überreicht bekamen. Ein Sozialplan, wenn man ihn überhaupt so nennen kann, wurde erstellt, aber mit absoluter Mehrheit von der Belegschaft abgelehnt. Vor der Einigungsstelle wurde er dann von Otto Semmler Parteikonform abgesegnet. Nach diesem Sozialplan wurden die Mitarbeiter, die über 55 Jahre waren, in die Arbeitslosigkeit entlassen, der Rest auf die VSE, Stadtwerke Saarbrücken und Saarstahl in Konkurs verteilt, dabei wurde Ihnen eine Lohneinbuße von bis zu 51% zugemutet, alternativ stand die Arbeitslosigkeit ( was auch einige vorgezogen haben, das Arbeitslosengeld war um einiges höher als der neue Lohn ), eine Abfindung wie zum Beispiel bei ABB oder Mannesmann gab es nicht (man hätte höchstens eine Einklagen können).

Wie man sich seiner Mitarbeiter entledigt sagt etwas über ein Unternehmen bzw. seiner Anteilseigner aus, besonders wen die Mitarbeiter fast alle schon über 20 Jahre und mehr im Unternehmen beschäftigt waren. Ich hätte es nie für möglich gehalten, das ein Betrieb, aus dem die Anteilseigner pro Jahr etwa 60 Millionen DM gezogen haben, sich seiner Mitarbeiter so verächtlich entledigt. Dies alles war nur möglich weil die Belegschaft der Kraftwerk Wehrden keine Lobby hatten, wie sollte sie auch, da ja die SPD regierte Landesregierung die Schließung massiv unterstützte. Wer den roten Filz im Saarland kennt bzw. kennen lernen musste kann mich wohl verstehen und weis wovon ich rede. Selbst der Oberbürgermeister von Völklingen Herr Netzer hielt sich Parteikonform zurück und hat sich nicht für den Erhalt des Kraftwerkes eingesetzt obwohl er bei jeder Aufsichtsratssitzung der Anteilseigner als Gast zu gegen war und wusste was abgeht. Er ist sich aber nicht zu schade für etwa 8-10 Stunden Aufsichtsrattätigkeit im Jahre 1999 bei der Kraftwerk Wehrden GmbH 5000,- DM abzukassieren. Wenn´s in den eigenen Sack geht oder die Partei es will, dann zählen auch Arbeitsplätze nichts.

Paradox ist wohl was Herr Klimmt (vor den Landtagswahlen) am 5.September 99 von sich gab, während er sich für den Erhalt des Steinkohle-Bergbaues einsetzt " ohne Steinkohle-Bergbau droht Gefahr für die Zulieferer und die Kraftwerke " werden im Gegenzug durch die Eckpunktevereinbarung Kraftwerke geschlossen und Arbeitsplätze bei den Zulieferer und im Bergbau vernichtet. Im Kraftwerk Wehrden, das eigentlich über das Jahr 2005 laufen sollte, werden heute keine Kohlen mehr verbrannt und Zulieferer gibt es auch keine mehr.

PS: Die Chronik wird ständig erweitert.