4.  Ersatzstromlieferung der RWE Energie; Konvertergas
RWE Energie hat VSE mit Schreiben vom 17.01.1995 und 30.04.1996 für den Fall der
vorzeitigen Stilllegung des Kraftwerks Wehrden eine Ersatzstromlieferung angeboten, auf
deren Basis die VSE ihrerseits den beiden Mitgesellschaftern Stadtwerke Saarbrücken AG
und Saarstahl AG entsprechende Angebote unterbreitet hat. Sollte sich die Stilllegung des
Kraftwerks Wehrden und damit der Beginn der Ersatzstromlieferung durch RWE Energie
über den in Ziffer 1. genannten spätesten Zeitpunkt 01.07.1998 hinaus verzögern, erhöht
sich der Leistungspreis Po der vorgenannten Ersatzstromlieferung für jeden vollen über den
01.07.1998 hinausgehenden Monat um 2,50 DM/kW und Jahr, maximal um 10 DM/kW und
Jahr. VSE bzw. Stadtwerke Saarbrücken und Saarstahl werden diese Angebote
annehmen.
Mein Kommentar:

Wie unter dem Punkt 4 hervorgeht hat RWE den Gesellschaftern der Kraftwerk Wehrden GmbH Ersatzstromlieferungen angeboten, welche diese wohl unter dem massiven Druck des Minister Leonhardt angenommen haben.  Diese liegen bei 7 Pfennig / kWh. Die Konditionen zu denen die Gesellschafter des Kraftwerk Wehrden den Ersatzstrom von RWE beziehen können sind sogar, in Abhängigkeit vom Stilllegungstermin ( 30.06.98), pönalisiert. Dies zeigte, wie wichtig dem RWE die Eliminierung eines kleinen Konkurrenten ( welcher sich wohl auch auf dem heutigen liberalisierten europäischen Strommarkt hätte behaupten können) war. Ein weiterer wichtiger Grund für die frühzeitige Stilllegung des Kraftwerk Wehrden ist wohl der Gewinn den die RWE durch den Leistungspreisanteil einheimst. Das ist folgendermaßen zu erklären: Der Strompreis eines Erzeugers errechnet sich aus dem sog. Leistungspreisanteil (feste Kosten) und dem Arbeitspreisanteil (bewegliche Kosten). Seit dem Tage der Stilllegung des Kraftwerk Wehrden versorgt das RWE (VSE) dessen Abnehmer mit Strom aus eigner, freier Kraftwerksleistung, ohne an anderer Stelle auch nur ein Watt Leistungspreisrelevant installieren bzw. vorhalten zu müssen, d.h. den Einnahmen aus dem Leistungspreisanteil stehen keine Kosten gegenüber. Im Klartext bedeutet dies, dass die RWE pro Jahr etwa 23 Millionen DM auf seiner Guthabenseite verbuchen kann. Bis zum geplanten Bau im Jahre 2004 waren das etwa 150 Millionen DM. Dies sollte eigentlich zur Vorfinanzierung des neuen Blockes dienen, da dieser aber nicht gebaut wurde gehen diese 150 Millionen DM bei RWE als Gewinn ein, mit dem Nebeneffekt wieder einen kleinen Platt gemacht zu haben.

 

Nach Stilllegung des Kraftwerkes Wehrden wird der Ersatz des im Produktionsprozess des
Werkes Völklingen der Saarstahl AG anfallenden überschüssigen Konvertergases in den
Saarberg-Kraftwerken am Standort Fenne erfolgen. Investitionen und Betriebskosten der
Anlagen zum Transport des Gases übernehmen die saarländischen Partner.
Mein Kommentar:

Der Bau der Konvertergasleitung hat bis heute über 18 Millionen DM verschlungen, den größten Teil bezahlte der saarländische Steuerzahler ( über 10 Millionen DM ) den Rest indirekt der bundesdeutsche Steuerzahler durch die Saarbergwerke (DSK). Wer will kann ja im "Ministerium für Umwelt, Energie und Verkehr" unter der Nummer 0681/501-4202 genaues in Erfahrung bringen. Bei der finanziellen desolaten Finanzlage des Saarlandes kann ich nicht verstehen wieso das Saarland hier eingesprungen ist, sollte etwa die Portokasse des RWE nicht belastet werden, oder wollte Herr Leonhardt das "AUS" für das Kraftwerk Wehrden besiegeln, koste es was es wolle. Wo führt es hin, wenn sich hier Interessenvertreter der Bevölkerung (Politiker, hier Minister Leonhardt) zum Handlanger großunternehmerischer Interessen (hier RWE) machen lassen ? Wie will man die Arbeitslosigkeit in unserem Lande bekämpfen, wenn man gesunde, rationell arbeitende Unternehmen (wie es das Kraftwerk Wehrden war) zur Umsetzung großunternehmerischer Interessen dahinschlachtet ? Dieses Szenario , bei dem auch andere mittelständische Unternehmen (Zulieferer) untergingen, war nur im Geflecht des roten Filzes (SPD-Saar) durchführbar.

PS: Im übrigen läuft die Konvertergasfeuerung maximal zu 70%, das heißt es muss wie früher Konvertergas abgefackelt werden. Dafür hat der Steuerzahler 18 Millionen DM bezahlt. Ein Fall für den "Bund der Steuerzahler" wie ich meine.

 

Zwischen den Gesellschaftern der Kraftwerk Wehrden und RWE Energie besteht grund-
sätzliches Einvernehmen darüber, dass die von Saarstahl und den Stadtwerken Saarbrük-
ken bis zum Jahr 2000 für den Einsatz im Kraftwerk Wehrden kontrahierten Kohlemengen
ab dem Zeitpunkt der Stilllegung des Kraftwerks von RWE Energie für den Einsatz im Rah-
men der Ersatzstromlieferung übernommen werden.
RWE Energie übernimmt nach dem bereits vorverabredeten Modell den aus dem Konver-
tergas erzeugten Strom im Rahmen ihrer Bezüge von Saarberg.
5.  Sozialverträglicher Personalabbau
Der Betrieb von knapp 700 MWn der in Ziffer 1. genannten alten Kraftwerksleistung hängt
unmittelbar vom Strombezug durch RWE Energie ab. Deren aufgrund der v.g. Marktsitua-
tion erzwungene Stilllegung schließt auch den Block 3 in Ensdorf ein. Wegen der vorliegen-
den Standortgegebenheiten ist ein alleiniger Weiterbetrieb des dortigen Blockes 1 nicht
wirtschaftlich. Wenn darüber hinaus auch der Block Wehrden wegen der eingangs darge-
legten Problematik nur noch mit einer begrenzten Nutzungsmöglichkeit rechnen kann, muss
davon ausgegangen werden, dass die gesamte in Ziffer 1. aufgeführte Kraftwerksleistung